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Ernst Joachim Müller †
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Nach langer Krankheit verstarb am 27. März 2006 unser Ehrenmitglied und langjähriger Schriftleiter unserer Vereinszeitschrift Familienforschung in Mitteldeutschland Ernst Joachim Müller im Alter von knapp 80 Jahren.
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E. Joachim Müller wurde am 21.September 1926 als Sohn der Eheleute Dr. Ernst Wolfgang Müller und Helene geb. Müller in Kauern/Thüringen. geboren. Aufgewachsen in Leipzig erlebte er dort als Kind und Jugendlicher die Nazizeit. Noch im Jahre 1944, im Alter von 17 Jahren, wurde er zur Wehrmacht eingezogen und geriet bei Kriegsende in russische Kriegsgefangenschaft. 1948, nach seiner Rückkehr, begann er beim Finanzamt Leipzig als Verwaltungsgehilfe. 1949 heiratete er in Bitterfeld Marlene
Kardel. 1950 wurde ihr Sohn Andreas Joachim geboren.
Die Tätigkeit beim Finanzamt beendete er 1954 als Großbetriebsprüfer. Drei Jahre arbeitete er als |
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| Geschäftsführer im Werner-Verlag und trat 1957 in die Firma Lösche-Pelzzutaten in Leipzig ein, bei der er auch nach der Verstaatlichung 1970 zuerst als Reisevertreter, später als Leiter Handel und Technik und amt. Direktor bis zu seinem Vorruhestand 1990 verblieb. |
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1989 nahm er zusammen mit seiner Frau an den Montagsdemonstrationen in Leipzig teil. 1990-1994 wirkte er für die FDP als Stadtverordneter in Markkleeberg.
Zur Familienforschung kam er Anfang der 60er Jahre. Nach seinen eigenen Angaben war hier sein Lehrmeister unser im Jahre 2004 verstorbenes Mitglied Fritz Ebruy (AMF 1485) in Ahlsdorf. Nach und nach kam es dann auch zu Kontakten zu zahlreichen anderen Familienforschern in der DDR und in der Bundesrepublik. Durch Herrn Dr. Kretschmar, unser unvergessenes Leipziger Ehrenmitglied, wurde er dann auch bei den Halleschen und Leipziger Genealogen eingeführt und war in den 80er Jahren Mitbegründer der Leipziger Genealogischen Gesellschaft e. V. (damals noch innerhalb des Kulturbundes).
Seine Hauptarbeit in dieser Zeit war die Transkription des aus losen Blättern bestehenden ältesten Kirchenbuches von Wiederau an der schwarzen Elster. Diese Arbeit konnte später in der Vereinszeitschrift der AMF in mehreren Fortsetzungen veröffentlicht werden.
Zum 01.01.1990 wurde er mit der Mitglieds-Nr. 1360 das erste AMF Mitglied aus den neuen Bundesländern. Er beteiligte sich sofort aktiv an der Vereinsarbeit und wurde 1992 zum stellvertretenden Vorsitzenden der AMF gewählt. Ab April 1993 bis Mai 2000 war er Vorsitzender der AMF. Während dieser Zeit war er gleichzeitig Kuratoriumsmitglied bei der Stiftung Stoye. Im Jahre 2000 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.
In seiner Amtszeit wurden zahlreiche Veränderungen im Verein vorgenommen. So konnte das Vereinsarchiv von Marburg nach Leipzig verlagert und dort einem breiten Interessentenkreis zugänglich gemacht werden. Es wurden themen- und regionalspezifische Arbeitskreise gebildet, die zum großen Teil in ihren Regionen eine gute genealogische Arbeit leisten und die AMF im Forschungsgebiet bekannt gemacht haben. Die AMF-Schriftenreihe wurde begründet und zählt heute 172 Hefte, in denen vor allem genealogische Arbeiten aus unserem Forschungsgebiet publiziert wurden. Ergänzt wurde sie durch die Reihe der Mitteldeutschen Ortsfamilienbücher, die heute mit 31 Bänden eine umfangreiche Sammlung darstellt. In der INFO-Reihe wurden genealogische Grundlagen in Lose-Blatt-Form gesammelt und stehen so allen Mitgliedern unabhängig vom Datum ihres Beitritt zur Verfügung. Unter seiner Leitung hat sich die AMF zu einem der größeren genealogischen Vereine Deutschlands entwickelt.
Schriftleiter unserer Vereinszeitschrift war er seit Herausgabe der "Familienforschung in Mitteldeutschland" im Januar 1993 bis zu seinem Tod. Die FFM löste 1993 die "Mitteldeutsche Familienkunde" (MFK) als Vereinszeitschrift ab.
Gemeinsam mit den Angehörigen von E. Joachim Müller trauert der Vorstand um ein verdientes Vereinsmitglied. Die AMF hat mit ihm eines ihrer aktivsten Mitglieder verloren. Sein Engagement und seine Sachkenntnis werden uns fehlen.
Für den Vorstand der AMF
Günther Unger (Vors.)
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Schriftenverzeichnis E. Joachim Müller
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- Landes- und Staatsarchive der fünf neuen Bundesländer. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde 20 (1991/93), S. 359-360.
- Die Franzosenzeit aus der Sicht eines Altmärkers. In: FFM 34 (1993), S. 35-40.
- Familienforschung! Was wollen wir? Wie weit treiben wir sie? Eine kleine Plauderei. In: FFM 34 (1993), S. 57-58.
- (mit Marlene Müller) Das Kirchenbuch von Wiederau bei Herzberg mit den Dörfern
Bahnsdorf, Neudeck und Drasdo vom 30jährigen Krieg bis Ende 1774. Vom "Toten Punkt" zur genealogischen Forschungsarbeit. In: FFM 34 (1993), S. 73-90.
- Das Kirchenbuch von Wiederau bei Herzberg mit den Dörfern Bahnsdorf, Neudeck und Drasdo vom 30jährigen Krieg bis Ende 1774. T. 2: Weggezogene, ortsfremde und im KB sonst nicht erwähnte alleinstehende Paten, nach Orten. In: FFM 35 (1994), S. 241-243, 288-294, 332-341.
- Umrechnungsformel für Zahlen des Systems "Kekulé". In: FFM 35 (1994), S. 297-298.
- (mit Marlene Müller) Rittergut Einwinkel in der Altmark 1858-1871. Die Tagebücher der Geschwister Emilie und Bertha Wolff. Originaltext. Leipzig 1995. 206 S.
- Herr Sanitätsrat Dr. Hans-Joachim Kretschmar. In: FFM 37 (1996), S. 289. [Kurznachruf].
- In eigener Sache. In: FFM 37 (1996), S. 337. [Bilanz der bisherigen Arbeit].
- Das Testament der Tante Falcke aus Wendemark in der Altmark. In: FFM 38 (1997), S. 119-125.
- In eigener Sache. In: FFM 39 (1998), S. 337. [Über unzulässige Veränderungen der Reihenfolge bei Vornamen und Standes-/Berufsangaben].
- Die Familien Müller und Falcke in der Altmärkischen Wische. In: Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel 72 (1998), S. 118-126.
- In eigener Sache. In: FFM 40 (1999), S. 49. ["Benimmregeln" für Genealogen].
- Meine Meinung. In: FFM 41 (2000), S. 240. [Über Bernhard Koerner].
- Aus dem Wirtschaftsbuch des Rittergutes II in Schönberg/Altmark. In: FFM 41 (2000), S. 283-286.
- Bahnbau Oebisfelde - Salzwedel. Enteignung in der Gemarkung Beetzendorf. In: FFM 45 (2004), S. 273-276.
- Einwinkel in der Altmark. Besitzwechsel Balthasar Heinrich Stripe > Adam Friedrich von Jetzen in Jahre 1699. In: FFM 45 (2004), S. 299-300.
Horst Hesse † / Peter Bahl
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