Schäfer, Hirten und Hutmänner - Forschungsprojekt des AK Saale-Orla

von Daniel Pfletscher - 02.12.2024

Die Geburtsstunde des Projekts

Im November 2019 entstand während eines Arbeitskreistreffens die Idee einer Schäfersammlung. Martina Reißhauer schlug vor, Informationen über Schäfer, Hirten und Hutleute systematisch zu sammeln und stieß sofort auf große Resonanz. Viele Mitglieder wissen unter ihren Ahnen Vertreter dieses Berufsstandes, der uns in der Forschung immer wieder vor Herausforderungen stellt.

Martina begann nun, Schäfer in einer Excel-Liste zu sammeln. Dabei konzentrierte sie sich auf das Forschungsgebiet des Arbeitskreises zwischen Saale, Orla und Weißer Elster - einer Region mit reicher Hirten- und Schäfertradition. Ein Zeitungsartikel in der Ostthüringer Zeitung am 11. Oktober 2023 (Online-Version mit Bezahlschranke) gab dem Vorhaben zusätzlichen Schwung. Auf den Lokalseiten wurde Martina vorgestellt, auch ihre Forschungsschwerpunkte - mit überraschender Wirkung. In den folgenden Wochen meldeten sich immer wieder Forschende, die weitere Informationen und Hinweise beisteuern konnten.

Der Weg zur Veröffentlichung

Nach Erscheinung des Zeitungsbeitrages und der ungeahnten Resonanz gründeten Martina Reißhauer, Karina Falk und Daniel Pfletscher eine Projektgruppe, um die Sammlung auf den Weg zur Veröffentlichung zu bringen. Grundlage dafür wurde ein Workflow, der eine einfache Beteiligung und eine einheitliche Erfassung ermöglicht. Die Dokumentation der Quellen sollte auch nicht zu kurz kommen und die Nutzung (wie auch die Bearbeitung) der Sammlung keine speziellen IT-Kenntnisse erfordern.

Auf Grund der reichen Quellenlage und des schier unendlichen Datenaufkommens schien eine Print-Publikation schwer realisierbar. Wir entschieden uns stattdessen für eine Online-Veröffentlichung, die den tagesaktuellen Arbeitsstand abbildet. Die Schäfersammlung liegt nun auf einer vom Arbeitskreis unterhaltenen Cloud und kann dort jederzeit - ohne Zugangsbeschränkung - eingesehen werden. Der Download der Sammlung ist jedoch ist nicht möglich, um zu verhindern, dass verschiedene Speicherstände im Umlauf sind. Ein Zugang zur Dokumentation ist auch über die AMF-Website möglich. Zu gegebener Zeit werden Veröffentlichungshinweise in relevanten Internetforen, anderen Online-Gemeinschaften und im GenWiki erstellt.

Der kurzen Einleitung mit Vorstellung des Projekts folgt eine Ortsübersicht mit chronologischer Auflistung der dort nachgewiesenen Schäfer. Der sich anschließende Hauptteil der Dokumentation beinhaltet sämtliche bisher gefundenen Vertreter des Berufsstandes, alphabetisch nach den Familiennamen sortiert. Erfasst werden in dieser Phase des Projektes (mit Ausnahme der Lebensdaten) nur Lebensereignisse und andere Quelleneinträge, in denen der Beruf auch tatsächlich genannt wird. Daraus sollen perspektivisch möglichst vollständige Biogramme werden, die dann auch eine Darstellung von Familienzusammenhängen ermöglichen, denn der Schäferberuf wurde oft innerhalb der Familien weitergegeben. Lebensumstände und Berufsstatus brachten es auch mit sich, dass Schäferfamilien untereinander durch Hochzeiten, Patenschaften etc. miteinander verbunden blieben.

Mit Stand 1. Dezember 2024 sind bereits 696 Schäfernamen in 208 Orten aus 1225 Quellennennungen erfasst. Über das Inhaltsverzeichnis können die Anfangsbuchstaben der Orte und Namen in dem bereits 122 Seiten umfassenden Dokument direkt angesteuert werden. Die meisten Nennungen stammen aus Kirchenbüchern, aber auch andere Quellen wie die Gefangenendatenbank des Zuchthauses auf der Leuchtenburg bei Kahla, Ortschroniken und Zeitschriftenaufsätze wurden und werden ausgewertet. Ein vielversprechender Bestand, der im kommenden Jahr eingesehen werden soll, ist der genealogische Nachlass von Hans-Joachim Kretschmar im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig, der auch Schäferlisten enthält.
Der Schäfersammlung angehängt ist eine Bibliographie mit weiterführender Literatur zum Thema im Allgemeinen und Veröffentlichungen über das Hirtenwesen in der Region im Speziellen.

Mitarbeit erwünscht

Das Projektteam freut sich über jede Unterstützung und lädt Interessierte ein, sich an der Sammlung zu beteiligen, was recht einfach möglich ist. Auf der AMF-Website steht eine Erfassungsvorlage zum Download zur Verfügung. Bei der Datenerfassung ist darauf zu achten, dass die jeweilige Quelle angegeben wird, möglichst wie im angegebenen Beispiel. Die ausgefüllten Listen können per E-Mail geschickt werden: ak-saaleorla(at)amf-verein.de

Korrekturhinweise helfen uns ebenfalls sehr weiter, denn wir überprüfen die zugesendeten Daten nur bei offensichtlichen Unstimmigkeiten und digitaler Zugänglichkeit der Quelle. Gern nehmen wir auch Literaturhinweise für unsere Bibliografie entgegen.

Die kontinuierlich aktualisierte Online-Datenbank kann eine wertvolle Ressource für Forschende werden, die sich für die Geschichte der Schäferei in der Saale-Orla-Region interessieren. Darüber hinaus kann sie über die reine Dokumentation hinaus zu einem Zeugnis regionaler Kultur, familiärer Traditionen und beruflicher Kontinuität entwickelt werden. Jeder beigetragene Name, jede Quelle hilft, ein Stück Kulturgeschichte zu bewahren.

Daniel Pfletscher

AK Saale-OrlaBlog-Redaktion

Mitgliedschaften: AMF 2529, GFF 2698

E-Mail: danielp(at)posteo.de

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